Das historische Fuggerschloss

Historische Darstellung aus dem 17. Jahrhundert

Das Schloss Kirchheim mit seinem berühmten Zedernsaal ist seit 1551 im Besitz der Familie Fugger und ist auch als „schwäbischer Escorial“ bekannt, nach dessen Vorbild es Hans Fugger von 1578 bis 1585 an der Stelle einer Burg vom Augsburger Stadtbaumeister Jakcob Eschay errichten ließ, die sein Vater Anton Fugger zusammen mit der Herrschaft Kirchheim im Jahr 1551 erworben hatte. Hans Fugger wurde damit zum Stammvater der Fugger Linien Kirchheim und Glött.

Seither ist das Schloss im Privatbesitz der Familie Fugger und wird von der Familie bewohnt.

Es war auch der Wohnsitz von Joseph Ernst Fürst Fugger von Glött (1895–1981). Er gehörte als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus dem Speer Kreis sowie dem Kreisauer Kreis an. Nach 1945 war er Mitbegründer der CSU im Altlandkreis Mindelheim. Von 1949–53 saß er im Deutschen Bundestag und von 1954-62 war er Mitglied im Bayerischen Landtag. Als verantwortlicher Senioratsvorsitzender der Fuggerschen Stiftungen war er maßgeblich mitverantwortlich für den Wideraufbau der Fuggerei in Augsburg nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit hohem Aufwand und viel Fingerspitzengefühl wurden das Schloss und der Zedernsaal im Lauf der letzten Jahrzehnte behutsam restauriert. Schlossherrin Angela Fürstin Fugger von Glött, die Witwe von Joseph Ernst erhielt für die Instandsetzung und den Erhalt der denkmalgeschützten Anlage im Jahr 2001 den Bayerischen Verdienstorden.

Der Zedernsaal

Detail der Kassettendecke im Zedernsaal

Das Herzstück des Schlosses ist ein 360 Quadratmeter großer Saal mit einer von Wendel Dietrich gestalteten Kassettendecke mit einem Fond aus dunklem Zedernholz. Neben der Zeder sind in den kunstvoll gestalteten Kassetten auch einheimische Hölzer, darunter Linde, Eiche, Eibe, Esche Ahorn, Zwetschge, Nuss und Zirbelkiefer erkennbar. Die beiden großen Stirnseitenportale wurden ebenso aus Zedernholz von Wendel Dietrich geschaffen.

An den Seitenwänden des Saales stehen in Mauernischen 12 Terracotta Figuren in Menschengröße. Sie wurden von Hubert Gerhard und Carlo Pallago gestaltet. Die männlichen Figuren stellen wahrscheinlich Kyros von Persien, Alexander den Großen, Caesar, Augustus, Karl den Großen sowie schließlich Karl V., der sein Kaisertum bekanntlich auch der Famile Fugger verdankte, dar. Die weiblichen Figuren sind Judith, Luceritia Tarquinia, die Kaiserin Flavia Julia Helena Augusta, die Kaiserin Adelheid von Burgund, Elisabeth von Tühringen sowie die Ehefrau Karls V., Isabella von Portugal.

An den Stirnseiten des Saales hängen außerdem 4 Bilder des ursprünglich aus Flandern stammenden Tintorettoschülers Paolo Fiammingo. Sie stellen vermutlich die die 4 Zeitalter der römischen Mythologie da. Aus den Quellen wissen wir, dass diese Bilder vermutlich für Schloß Kirchheim angefertigt wurden. Hans Fugger soll in seiner Zeit 30 Fiammingos besessen haben.

Die Musiktradition

Die überregional bekannte und berühmte Akustik des Saales zog schon von jeher große Musiker an – von Carl Orff bis zum Tölzer Knabenchor begeisterte der Saal in den letzten 60 Jahren eine Vielzahl nationaler und internationaler Ensembles und Solisten – zunächst im Rahmen der alljährlich stattfindenden Reihe “Musik auf Schloss Kirchheim” unter der Schirmherrschaft von S.D. Joseph Ernst Fürst Fugger von Glött. Später führte seine Witwe, I.D. Angela Fürstin Fugger von Glött, diese Tradition unter dem Namen “Kirchheimer Musiksommer” fort. Von 2003 bis 2007 fand die international besetzte kammermusikalische Konzertreihe “Fugger Classics” statt.

Für 2021 sind verschiedene Konzerte geplant, deren Durchführung ist allerdings coronabedingt noch offen.

Besichtigung

Im Schlossgarten

Aufgrund der derzeitigen Pandemiesituation ist die Besichtigung des Zedernsaals leider nicht möglich.

Anschrift:

Angela Fürstin Fugger von Glött
Marktplatz 1
87757 Kirchheim

Telefon: 08266/8600-20

Weitere Informationen über das Fuggerschloss Kirchheim finden Sie bei Wikipedia.